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Stationen eines Lebens

Ich kam am 29. Dezember 1967 um 10 Uhr vormittags im Wesselinger Dreifaltigkeits-Krankenhaus als drittes und letztes Kind meiner Eltern zur Welt. Eigentlich sollte ich nach dem Wunsch meiner Mutter schon vor Weihnachten herauskommen. Deshalb kehrte sie mit mir hochschwanger tonnenweise Schnee von links nach rechts, um die Wehen damit eventuell doch schon einleiten zu können. Mein Stur-Kopf war aber zu dieser Zeit schon so ausgeprägt, dass ich beschloss, mich noch einige Tagen im warmen Bauch meiner Mutter aufzuhalten. Ich achtete nur darauf, nicht aus Versehen ins nächste Jahr zu rutschen. Denn der 67'er Jahrgang war schon was besonderes und deshalb wollte ich auch in diesem Jahr zur Welt kommen. Dies war die erste gewonnene Konfrontation mit meiner Mutter.

Schon früh versuchte man mir die Funktion eines Pinkelpöttchens zu erklären. Stundenlang liess man mich auf dieser Plastikschüssel sitzen und viele Gesichter schauten erwartungsvoll auf mich (hin und wieder auch mal der Fotoapparat - wie peinlich!). Ob es mir am Föttche (= kölsch - Popo) kalt wurde, war allen vollkommen egal. Und langweilig war das! Bewegen war nicht drin, der Pott sass vakuumdicht. Lesen konnte ich zur damaligen Zeit noch nicht, fernsehen war auch nicht so mein Ding, also hiess es ausharren. Wenn ich doch nur damals schon gewusst hätten, was meine Mutter von mir wollte, wenn sie mich auf das Ding setzte.

Im Frühjahr 1970 konnte ich zum ersten Mal richtig an Karneval teilnehmen. Teilnehmen ist gut gesagt - man steckte mich in ein Indianer-Kostüm und fand mich süss. Was allerdings merkwürdig an dem Bild ist - entweder hatte ich vorher einen Beutezug in einem Cowboy-Fort erfolgreich beendet oder aber man hat mir die Pistole unsinnigerweise für diese Pose in die Hand gedrückt. Und Lachen sollte ich dann auch noch. Was Eltern immer von ihren Kinder erwarten. Auf Knopfdruck lieb und nett sein. Irgendwie habe ich heute das Gefühl, dass mir das Kostüm hinten und vorne zu eng war und dass es gekratzt hat wie verrückt. Ausserdem ist das Stirnband so tief angesetzt, dass ich meine Augen nicht geöffnet bekomme.

Fortsetzung folgt...

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